Privacy by Design im Coaching: Warum diese Website nichts misst, keine Cookie-Banner braucht und wie ein kleines Snippet zur Haltungsfrage wurde.
Das letzte Snippet
Warum meine Website nichts misst, und was der kleine Nerd in mir dabei gelernt hat

Warum meine Website nichts misst und was der kleine Nerd in mir dabei gelernt hat.
Meine Website misst nichts. Wenn ich diesen Satz heute so hinschreibe, wirkt er fast beiläufig. Tatsächlich war genau das der Teil, der am meisten Zeit gekostet hat und der mich am längsten beschäftigt hat.
Vielleicht beginnt diese Geschichte viel früher. Mit 14, vor einem C64, irgendwo zwischen Neugier und Faszination. Ich habe damals angefangen, BASIC zu tippen. Nicht weil es jemand von mir verlangt hat, sondern weil mich dieser Gedanke gepackt hat, dass eine Maschine genau das macht, was man ihr sagt. Nicht mehr und nicht weniger. Diese Klarheit hatte etwas Beruhigendes.
Über die Jahre hat sich vieles verändert. Im Studium kam C++ dazu, später HTML, vieles autodidaktisch, vieles wieder verloren. Wenn ich heute auf meinen Code schaue, würde ich nicht behaupten, dass ich ein ITler bin, eher im Gegenteil. Was geblieben ist, ist ein Gefühl für Struktur und eine ungefähre Semantik. Ich verstehe, was passiert, ohne jedes Detail zu durchdringen. Ich kann mit KI so lange arbeiten, bis sich etwas stimmig anfühlt. Mehr ist es nicht. Aber genau das reicht.
So ist auch diese Website entstanden. Viel Ausprobieren, viel Verwerfen, viel Annähern. Mit dem Design bin ich bis heute nicht ganz im Reinen. Mit der technischen Seite dagegen habe ich eine gewisse Ruhe gefunden. Nicht weil alles perfekt wäre, sondern weil es für mich konsistent ist.
Bis auf eine Kleinigkeit, die sich lange nicht sauber auflösen ließ.
Lovable setzt in der index.html einen kleinen Code für internes Monitoring. Technisch nachvollziehbar, wahrscheinlich auch rechtlich unkritisch. Und trotzdem blieb dieses „wahrscheinlich" im Raum stehen. Es war kein großes Problem, eher ein leises Gefühl von Unschärfe. Und genau das hat gereicht, um weiterzudenken.
Ich habe mich tiefer eingearbeitet, Varianten ausprobiert, verworfen, neu gedacht. Am Ende war die Lösung erstaunlich unspektakulär: Über eine Regel bei Cloudflare wird dieser Code beim Ausliefern herausgefiltert. Er ist technisch noch vorhanden, aber er erreicht den Besucher nicht mehr. Ein ITler wird das erkennen, und das ist in Ordnung. Mir ging es nie darum, etwas zu verstecken, sondern darum, es für mich sauber zu lösen.
Warum überhaupt messen?
Irgendwann stand eine andere Frage im Raum, die fast größer war als das eigentliche Snippet: Warum messen eigentlich alle?
Ich kann den Impuls gut nachvollziehen. Wer Inhalte erstellt, möchte verstehen, was funktioniert. Welche Themen gelesen werden, was Resonanz erzeugt. Das sind vernünftige Fragen. Und trotzdem kippt an einem bestimmten Punkt etwas. Ein Seitenaufruf zeigt, dass jemand da war. Alles darüber hinaus beginnt eine Geschichte zu erzählen, die man vielleicht gar nicht kennen muss.
Ich habe eine Zeit lang ein Analytics-System genutzt, das bewusst ohne Cookies arbeitet. Sauber gebaut, datenschutzfreundlich, technisch durchdacht. Dennoch habe ich es wieder abgeschaltet. Nicht aus Ablehnung, sondern aus einer einfachen Beobachtung: Ich brauche es nicht. Die relevanten Signale kommen an anderer Stelle. In Gesprächen, in Rückmeldungen, in den Themen, mit denen Menschen auf mich zukommen. Das ist weniger messbar, aber deutlich greifbarer.
Was bei mir tatsächlich passiert
Also habe ich meine Website so gebaut, wie ich sie selbst erleben möchte. Ohne Banner. Nicht weil ich etwas umgehen möchte, sondern weil es schlicht nichts gibt, das eine Einwilligung erfordert.
Was im Hintergrund passiert, ist auf das reduziert, was technisch notwendig ist:
Ein Schutz über Cloudflare, damit die Seite stabil bleibt. Lokal eingebundene Schriftarten, damit keine unnötigen Verbindungen nach außen entstehen. Ein Video, das erst lädt, wenn man es aktiv startet. Ein Kontaktformular, das sich ohne externe Dienste gegen automatisierten Missbrauch schützt. Wo Auftragsverarbeiter ins Spiel kommen, etwa beim E-Mail-Versand oder bei der Terminbuchung, gelten Standardvertragsklauseln. Das ist heute der normale Weg, wenn man nicht alles selbst betreiben möchte.
Es gibt keine Tracking-Tools, keine Analyse, kein Retargeting.
Die offene Flanke
Es gibt dabei eine Stelle, die ich nicht ausblende.
Cloudflare ist ein US-Anbieter, und das hat bei mir anfangs ebenfalls einen inneren Widerstand ausgelöst. Ich habe mich damit beschäftigt, die Rahmenbedingungen angesehen, die Zertifizierungen und die vertraglichen Grundlagen. Am Ende bleibt keine perfekte Lösung, sondern eine bewusste Abwägung. Die Funktion ist klar begrenzt, es findet kein Tracking statt. Und gleichzeitig sorgt dieser Baustein dafür, dass die Seite überhaupt zuverlässig erreichbar bleibt.
Eine kleine Eigenheit dabei: Cloudflare betreibt über 300 Rechenzentren weltweit. Die technischen Sicherheits-Cookies können je nach Routing über Server in Dubai, Singapur oder anderswo ausgespielt werden. Wer das mit einem Cookie-Checker prüft, sieht manchmal eine unerwartete Herkunft. Das klingt zunächst überraschend, ändert aber nichts an der Funktion. Diese Cookies leben maximal 30 Minuten, speichern keine Nutzerprofile und benötigen nach TDDDG keine Einwilligung.
Eine Randnotiz: Das Thema Datenschutz ist mir nicht fremd. Als Teamleiter und Datenschutzkoordinator bei Mondial Kundenservice, damals Teil von Allianz Partners, war DSGVO-Compliance Teil meiner täglichen Verantwortung. Das schützt mich nicht vor Fehlern. Aber es schärft den Blick dafür, wo die echten Fragen liegen.
Die Haltung dahinter
Vielleicht ist das der eigentliche Kern hinter all dem. Weniger Technik, mehr Haltung.
Ich habe an anderer Stelle über digitalen Humanismus geschrieben. Für mich bedeutet das nicht, Technologie abzulehnen, sondern sie so einzusetzen, dass sie im Hintergrund bleibt. Unaufgeregt, unauffällig und ohne Nebenagenda.
Ein Besucher ist für mich kein Datensatz. Und ich möchte auch nicht, dass er sich wie einer anfühlt.
Was das für Sie bedeutet
Am Ende schließt sich für mich damit ein Kreis zu diesem frühen Moment vor dem C64. Die Idee, dass eine Maschine genau das tut, was sie soll. Klar, nachvollziehbar und ohne versteckte Ebenen. Vielleicht ist das naiv. Vielleicht ist es genau das, was heute wieder fehlt.
Wenn Sie diese Website besuchen, passiert im Grunde nicht viel. Es gibt keinen Banner, keine Abfrage, kein Nachverfolgen. Sie lesen, vielleicht bleiben Sie, vielleicht gehen Sie wieder. Beides ist in Ordnung. Und wenn daraus ein Gespräch entsteht, dann nicht, weil ein System im Hintergrund nachgeholfen hat, sondern weil es für Sie in diesem Moment gepasst hat.
Thematische Vertiefung & Angebote
Quellen & weiterführende Links
- TTDSG (Telekommunikation-Telemedien-Datenschutz-Gesetz): gesetze-im-internet.de/ttdsg
- Cloudflare Cookies Documentation: developers.cloudflare.com
- EU-US Data Privacy Framework: dataprivacyframework.gov
- Datenschutzerklärung joerg-hoermann.de: /datenschutz